Hatschi!

Kaum ist die Grippewelle vorüber, heißt es für Viele wieder: Taschentücher raus, die Pollen fliegen. Bei Allergikern sorgen die kleinen Übeltäter für juckende Augen und eine laufende Nase. Teilweise rufen sie sogar Luftnot hervor.

Wer im Frühjahr von Niesanfällen und tränenden Augen geplagt ist, wird nicht selten gefragt: „Bist du erkältet oder hast du Heuschnupfen?“ Für Dr. med. Stefani Röseler, Ärztin in der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Uniklinik RWTH Aachen, ist die Abgrenzung zwischen einer Erkältung und einer Pollenallergie schnell erklärt: „Anders als bei einer Erkältung kommt es bei der Pollenallergie zu einem begleitenden Juckreiz der Schleimhäute und der Augen.“ Die Ausprägungen von Heuschnupfen sind von Patient zu Patient unterschiedlich stark.

Heuschnupfen nicht ignorieren

Die Expertin empfiehlt Allergikern, die Beschwerden so wenig wie möglich zu tolerieren. Denn im Gegensatz zu einer Erkältung, bei der es zu einer Immunabwehr und Genesung kommt, verursachen Pollen mit jedem Einatmen eine erneute Entzündungsreaktion. „Jede Entzündung bedingt einen Umbau von Gewebe. Je länger und je häufiger das geschieht, desto mehr Komplikationen können entstehen“, erklärt die Allergologin. Mögliche Folgen sind eine Nebenhöhlenentzündung, Asthma bronchiale oder Magen-Darm-Beschwerden.

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Tipps für Zuhause

1. Ziehen Sie die Kleidung abends nicht im Schlafzimmer aus. Vor dem Schlafen duschen kann hilfreich sein.

2. Probieren Sie ein Pollenschutzgitter vor dem Fenster.

3. Pflanzen Sie keine Birken, Erlen oder Haseln im Garten. Halten Sie den Rasen kurz, Moos ist für Allergiker durchaus eine Alternative.

4. Rüsten Sie das Auto auf einen neuen Pollenfilter um, wenn der bisherige zu wenig hilft.

5. Notieren Sie den Zeitraum der schlimmsten Beschwerden und nehmen Sie Medikamente (kortisonhaltige Nasensprays, Antiallergika), damit Sie keine Beschwerden haben. Beschwerden, die Sie tolerieren, führen möglicherweise zu irreparablen Folgeschäden.

6. Gehen Sie zum Arzt, wenn Beschwerden trotz Therapie bleiben, zum ersten Mal auftreten oder im Vergleich zu früheren Jahren zunehmen.

Verschiedene Ursachen

So unterschiedlich wie die Symptome sind auch die Ursachen für Allergien. Ist ein Verwandter Allergiker, ist das eigene Risiko, ebenfalls zu erkranken, deutlich erhöht. Experten sprechen hier von der „genetischen Prädisposition“. Darüber hinaus ist wissenschaftlich belegt, dass Bäume an verkehrsreichen Straßen mehr Pollen produzieren und dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener Allergien entwickeln. „Grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder sich mehr draußen als drinnen aufhalten. Eine Garantie dafür, später nicht doch Allergiker zu werden, ist das natürlich nicht“, betont Dr. Röseler.

Die gute Nachricht: Die Beschwerden sind behandelbar. Damit lässt sich eine Chronifizierung der Erkrankung vielfach vermeiden. „Wichtig ist, dass die Allergie früh genug erkannt wird. Nur wenn wir das verursachende Allergen kennen, können wir es in ausreichender Konzentration verabreichen und damit die Beschwerden der Patienten lindern“, erklärt Dr. Röseler, die gemeinsam mit ihren Kollegen im Aachener Comprehensive Allergy Center (Allergiezentrum der Uniklinik) rund 1.200 Allergiker betreut. 

Übrigens: Wer auf Birken- und Gräserpollen allergisch ist, hat es bald geschafft: Die härteste Zeit für Allergiker sind die Monate April, Mai und Juni.

Aachener Allergiezentrum

Das Aachener Comprehensive Allergy Center (ACAC) ist eine zentrale Anlaufstelle zum Thema Allergie – sowohl für Betroffene als auch für niedergelassene Ärzte. Beteiligt sind von der Uniklinik RWTH Aachen elf Kliniken und Institute. Zudem besteht eine direkte Zusammenarbeit mit zahlreichen externen Kooperationspartnern und Einweisern in Aachen und Umgebung.

Die Experten betreuen rund 1200 Patienten, die aus den allergologischen Zentren im Umkreis von ca. 250 Kilometern weitergeleitet werden. Sie haben schwere, häufig lebensbedrohlich stattgehabte, allergologische Krankheitsbilder wie anaphylaktische Schocks, Medikamenten- und Nahrungsmittelallergien. Das ACAC ist erst das sechste als Comprehensive Allergy Center zertifizierte allergologische Referenzzentrum in Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Foto: Uniklinik RWTH Aachen / © Piotr Marcinski/fotolia.de