Robotergestützte Chirurgie in der Urologie

Der Roboter im Operationssaal

Hightech-Roboter-Arme surren durch die Luft und beugen sich im Operationssaal über den Patienten auf dem Tisch. Was nach Science-Fiction klingt und für die meisten Menschen eine befremdliche Vorstellung sein dürfte, ist schon längst Wirklichkeit – Roboter als OP-Assistenten helfen, komplizierte Operationen am Menschen durchzuführen.

Die Ärzte der Klinik für Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen setzen schon seit vielen Jahren auf die Schlüssellochchirurgie, bei der die Operateure mit einer Kamera (Laparoskop) durch winzige Schnittöffnungen im Bauchraum operieren. Die Robotische Chirurgie ist eine Weiterentwicklung dieser traditionellen Schlüssellochtechnik. Oberarzt Dr. med. Christian Bach, Leiter der Sektion Robotische Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen, beherrscht mit dem da Vinci®-Roboter ein hochmodernes Werkzeug, das als die modernste Entwicklung auf dem Gebiet der minimalinvasiven Operationen gilt.

„Bei den neueren robotischen Operationsverfahren, auch roboter-assistierte Chirurgie genannt, werden die Instrumente genau wie bei der Laparoskopie in die Bauchhöhle eingebracht“, erklärt Oberarzt Dr. Bach. „Bewegt werden diese jedoch von außen, elektronisch gesteuert von den vier Armen des Roboters, der jede Bewegung des Chirurgen exakt umsetzt.“ Die Chirurgen – Dr. Bach und seine Kollegen – sitzen hierzu an einer Konsole mit dreidimensionaler, vergrößerter Sicht auf das Operationsfeld. Sie bedienen mit jeder Hand eine Art Joystick. Die Instrumente ermöglichen dabei eine Bewegung in sieben Freiheitsgraden und die Maschine filtert jegliches Handzittern heraus. Der Operationsroboter agiert als verlängerter Arm des Chirurgen und macht nur, was dieser ihm vorgibt. „Genau genommen ist deswegen eine roboter-assistierte Operation gar keine durch einen Roboter durchgeführte OP“, sagt Dr. Bach, „da alle Steuerbefehle direkt von uns kommen und die Maschine keinerlei eigenständige Bewegungen vollziehen kann.“ Ein chirurgischer Assistent und die OP-Pflege stehen während des ganzen Eingriffs direkt am Patienten und helfen währenddessen von dort.

Author
Prof. Dr. med. Thomas-Alexander Vögeli

Klinik für Urologie

Klinik für Urologie
der Uniklinik RWTH Aachen
Klinikdirektor:
Prof. Dr. med. Thomas-Alexander Vögeli
Termine Sprechstunden Poliklinik
Tel.: 0241 80-85690
www.urologie.ukaachen.de

Author
Dr. med. Christian Bach

Sektion Robotische Urologie

Klinik für Urologie
der Uniklinik RWTH Aachen
Leiter Sektion Robotische Urologie:
Oberarzt Dr. med. Christian Bach
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Tel.: 0241 80-89375
Uro-Robotik@ukaachen.de
www.urologie.ukaachen.de

Der am weitesten verbreitete Operationsroboter ist der da Vinci®, der auch in der Uniklinik RWTH Aachen eingesetzt wird. Die sogenannte da Vinci®-Methode hatte sich zunächst bei der radikalen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs sehr bewährt. Mittlerweile wird der da Vinci® in der Urologie unter anderem zur kompletten Entfernung der Harnblase bei Blasenkrebs und zur kompletten oder teilweisen Nierenentfernung bei Nierenkrebs sehr erfolgreich eingesetzt. Zusätzlich kann er seine Vorteile bei rekonstruktiven Eingriffen wie zum Beispiel der Nierenbeckenplastik – bei Verengung des Harnleiters unmittelbar an der Niere – ausspielen.

„Durch ihre minimal-invasive Technik verursacht die da Vinci®-Methode ein deutlich geringeres Operationstrauma als traditionelle offene Chirurgie“, erklärt Dr. Bach. „Dies führt zu geringerer Patientenbelastung, weniger Schmerzen und damit zu schnellerer Erholung.“ Die Krankenhausverweildauer und die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit werden dadurch beträchtlich verkürzt, was für jeden Patienten im Einzelnen, aber natürlich auch volkswirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Die Kombination von Beweglichkeit der Instrumente ähnlich der menschlichen Hand, guter Ausleuchtung des Operationsfeldes und vergrößerter Darstellung von feinen Strukturen wie Nerven und Blutgefäßen ermöglicht höchst präzises Arbeiten. Dies führt zu hervorragenden Operationsergebnissen. Bei der radikalen Prostataentfernung (radikale Prostatektomie) zum Beispiel verkürzt sich so die Zeit bis zur Normalisierung des Urinhaltens (Kontinenz) und zur Erholung der Erektionsfähigkeit (Potenz). Die Heilungsraten von Prostatakrebs sind mindestens so gut wie mit der traditionellen offenen Operation. Keinen Zweifel gibt es auch daran, dass der Blutverlust und die Häufigkeit von Bluttransfusionen mit der Roboterchirurgie bei allen Eingriffen zurückgegangen sind.

Bei aller Begeisterung für die neue Technik muss jedoch gesagt werden, dass auch die da Vinci®-Methode nur so gut ist wie das Team, das sie durchführt, und dass gute Diagnosestellung, individuelle Beratung, sorgfältige Durchführung und postoperative Betreuung von höchster Bedeutung für die Heilung sind. Nicht für alle Krankheitsbilder und für alle Patienten ist die da Vinci®-Methode geeignet. Daher muss die Frage, ob ein solcher Eingriff überhaupt vorteilhaft durchgeführt werden kann, in jedem einzelnen Fall besprochen werden. Der große Vorteil der Patienten der Uniklinik RWTH Aachen: Die Klinik für Urologie hat bereits langjährige Erfahrung mit allen Operationstechniken (offen, laparoskopisch und da Vinci®) und kann daher jedem Patienten die jeweils für ihn beste Methode anbieten.

Foto: Uniklinik RWTH Aachen / Foto: © Mark Clifford