Ist Siegen Kopfsache?

Wie Psyche und Erfolg zusammenhängen

Für sportlichen Erfolg ist körperliche Fitness das eine. Nicht minder wichtig ist das Gehirn. Wer siegen möchte, muss auch den Kopf trainieren.

„Sport ist zu 90 Prozent mental und der Rest ist Kopfsache“, sagte einst Olympiasieger Robert Harting. Eine erstaunliche Aussage von einem durchtrainierten Profisportler. Der Diskuswerfer entkoppelt damit sportliche Leistung komplett von der Physis. Erstaunlich, aber dennoch nachvollziehbar, wie der Psychiater und Psychologe Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider findet: „Sportler müssen sich nicht nur auf ihren Körper, sondern auch auf ihren Kopf verlassen können. Wenn der Kopf blockiert, können wir unser Potential nicht voll ausschöpfen.“

Mentale Stärke macht erfolgreich

Prof. Schneider weiß, wie Leistungssportler ticken. Viele von ihnen behandelt der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik RWTH Aachen. Einige leiden an einer Depression, einer möglichen Kehrseite des Erfolgs, andere suchen wegen Suchterkrankungen, Ess- oder Angststörungen Hilfe. Doch macht es keinen Unterschied, ob Profi- oder Hobbysportler: Die Psyche ist bei jedermann entscheidend. „Wer es schafft, eine große mentale Stärke zu entwickeln, hat bessere Aussichten auf einen persönlichen Erfolg. Das gilt sowohl für Wettkampfsituationen als auch die eigene Joggingrunde im Wald“, so Prof. Schneider. Trotzdem können Leistungssportler auch zum Patienten werden: Sie können psychisch krank werden, wie alle anderen Menschen auch. 

In mentaler Hinsicht können wir Eigenschaften wie Konzentration, Disziplin und Motivation, aber auch Spontaneität und Ausgeglichenheit trainieren. Die benötigt nicht nur der Leistungssportler, wenn er im finalen Wettkampf um die Goldmedaille ringt, sondern auch der Hobbysportler, wenn er überlegt, ob er auf dem Sofa sitzen bleibt oder fünf, vielleicht sogar zehn Liegestütze macht. Hinzu kommt die „Kopfsache“. Wer sich aufgerafft hat, kommt beim Training irgendwann an sein Limit. Dann kommt es auf den Kopf an. Ein Marathonläufer, der sich bei Kilometer 20 denkt, „das schaffe ich nie!“, wird auch Schwierigkeiten haben, den 42. Kilometer zu beenden. 

Strategien für Sport und Alltag 

Wer sich seinen Versagensängsten und seinen Zweifeln stellt, kann die verschiedenen Herausforderungen des Alltags leichter überwinden. Zudem hilft, den Sieg zu visualisieren. Wenn im Kopf ein Bild vom Zieleinlauf oder der Champagnerdusche auf dem Siegertreppchen entsteht, gehen wir motivierter an das Training heran. Robert Harting hat mit mentalen Strategien olympisches Gold gewonnen. Für den Hobbysportler muss es zwar nicht gleich eine Medaille sein, aber das Erreichen persönlicher Ziele stellt nicht weniger zufrieden. Also, vergessen wir beim persönlichen Training nicht den Kopf! 

Foto: Uniklinik RWTH Aachen / arthurhidden/fotolia.de