Hänschen sitzt zu viel

Generation S: Kinder lernen von den Eltern

Die Erwachsenen sind mit ihrem Bewegungsverhalten die Vorbilder der jungen Generation. Immer mehr Kinder haben Übergewicht, weil sie sich zu wenig bewegen. Experten sprechen von der „Generation S“. Sitzen ist bequem, aber es schadet der Gesundheit. Rückenschmerzen, Thrombosen, Kreislaufprobleme und motorische Defizite sind die Folgen eines sitzenden Lebensstils.

Bewegung hat nachweislich einen wichtigen, präventiven Einfluss auf viele Krankheiten und senkt darüber hinaus das Risiko für Übergewicht. Die von der EU geförderte Helena-Studie zeigt, dass Jugendliche in Europa im Durchschnitt neun Stunden pro Tag sitzen, das ist mehr als 70 Prozent ihrer Wachzeit. Eine schottische Studie unter Vorschulkindern belegte, dass Kinder zwischen drei und fünf Jahren 79 Prozent des Tages sitzend und nur zwei Prozent der Zeit in moderater bis anstrengender körperlicher Aktivität verbringen. Fernsehen, Computerspiele und Social Media sind beliebte Freizeitbeschäftigungen für Kinder und Jugendliche. Doch Medienkonsum erhöht die Sitzzeiten und verdrängt andere aktive Beschäftigungen. Zudem haben Studien ergeben, dass Kinder mit längeren Bildschirmzeiten mehr essen. Dies kann zum einen daran liegen, dass Mahlzeiten vor dem Fernseher eingenommen werden, und Kinder dadurch unachtsamer essen und vergleichsweise spät bemerken, wann sie wirklich satt sind. Zum anderen kann es am „Snacken“ vor dem Fernseher liegen – das trifft wahrscheinlich so auch auf Erwachsene zu. Europaweit verbringen 60 Prozent der Jugendlichen am Wochenende mehr als zwei Stunden pro Tag vor dem Fernseher, da sind Zeiten vor dem Computer oder der Spielkonsole noch nicht mit eingerechnet. Betrachtet man die vergangenen 40 Jahre, so lässt sich feststellen, dass Kinder immer früher anfangen fernzusehen. So begannen Kinder 1971 den TV-Konsum mit vier Jahren, 2007 setzte er bereits im Alter von fünf Monaten ein. 

Immer weniger Kinder bewegen sich selbst zur Schule, häufig werden sie mit dem Auto gebracht oder fahren mit dem Bus. Mit dem Schuleintritt nehmen die Sitzzeiten schlagartig zu, die Bewegungszeiten werden geringer. Die Zeiten, die Kinder sitzend in der Schule verbringen, sind ein wichtiger Bestandteil der gesamten Sitzzeit. Wege zur Schule und zur Kita sollten, wann immer möglich, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden. Eine erfolgreiche Initiative ist der „Walking Bus“, bei dem Schulkinder wie ein Linienbus fest vereinbarte  Haltestellen“ anlaufen, wobei sie von einem Erwachsenen begleitet werden. So füllt sich der "Walking Bus" nach und nach und bringt die Kinder sicher zur Schule und nach dem Unterricht wieder nach Hause.

Eine Studie, die die Effekte dieses laufenden Busses untersuchte, zeigte, dass Kinder von dem Fußmarsch in Bezug auf ihr tägliches Bewegungskonto profitieren. Darüber hinaus wurden Hinweise gefunden, dass der Fußweg die Konzentrationsleistung von Grundschülern über den gesamten Schulvormittag nachhaltig steigern kann. Da Bewegung der Normalzustand von „Kitakindern“ ist, sollten Sitzzeiten in der Kita grundsätzlich kritisch hinterfragt werden. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt Bildschirmzeiten für Kinder und Heranwachsende auf ein bis zwei Stunden pro Tag zu beschränken und diese Medien aus den Kinderzimmern zu entfernen. Für Kinder unter zwei Jahren wird von Bildschirmzeiten grundsätzlich abgeraten. Verschiedene Projekte zeigen, dass klare zeitliche Begrenzungen eine erfolgversprechende Strategie zur Reduzierung von Bildschirmzeiten sind.

Machen Sie den Sitzcheck

unter www.pebonline.de/projekte/sitzender-lebensstil/sitz-check  erfahren Sie, wie Sie für sich und Ihre Familie mehr Bewegung in den Alltag bringen. Kinder müssen nicht das Stillsitzen lernen, sie brauchen mehr Bewegung. Dazu gibt die Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (peb) politisch-gesellschaftliche Empfehlungen. Hier sind einige davon:

  • Mehr Sport in der Schule
  • Einführung des Walking Bus
  • Förderung des Breitensports für Kinder und Jugendliche
  • Sichere Kita- und Schulwege
  • Handlungsempfehlungen zum Medienkonsum in den Vorsorgeuntersuchungen
  • Mehr Bewegungsförderung von TV-Sendern und Spielzeugherstellern.

Mehr dazu gibt es hier: www.pebonline.de/fileadmin/pebonline/Projekte/Dateien_Sitzender_Lebensstil/Gesellschaftliche_Empfehlungen.pdf

Familienaufstand

Alles zählt, nur sitzen nicht www.familienaufstand.de 

Medienkonsum beschränken

Langsam kommt es ins gesellschaftliche Bewusstsein, dass es zu den erzieherischen Aufgaben gehört, den täglichen Medienkonsum der Kinder zu begrenzen. Um es den Eltern ein bisschen einfacher zu machen, hat die Plattform Ernährung und Bewegung e. V. verschiedene Medienverträge entwickelt.

Hier geht es zu den nach Alter gestaffelten Verträgen: www.pebonline.de/projekte/sitzender-lebensstil/mediennutzungsvertraege/ 

Was ist altersgemäß?

Zum kindgerechten Medienkonsum gibt es viele Empfehlungen. Das Bundesfamilienministerium rät: Keine Mediennutzung für Kinder unter drei Jahren. Kinder bis fünf Jahre höchstens eine halbe Stunde täglich, bis neun Jahre etwa eine Stunde. Ab dem Alter von etwa zehn bis 13 Jahren könnten die Kinder sich eine Wochenzeit von rund neun Stunden zunehmend selbst einteilen, so ein Ratschlag.

Foto: Uniklinik RWTH Aachen / © bramgino/fotolia.de