Wundermuskel Herz

Da schlägt das Herz höher, sagen wir. Aber kann es das wirklich? Fühlen wir Glück dort, wo das Herz sitzt?

Viele Redensarten scheinen es zu bestätigen. Da geht uns das Herz über, hüpft das Herz vor Freude, wird es uns warm ums Herz. Etwa 60 Mal pro Minute schlägt das menschliche Herz in Ruhe. Unseren normalen Herzschlag nehmen wir kaum wahr, das Herzklopfen dann schon. Durch körperliche oder auch seelische Belastung kann die Herzschlagfrequenz auf 160 bis 200 Schläge pro Minute ansteigen. Dann schlägt das Herz gefühlt wirklich höher, weil wir das Klopfen im Brustraum und den Pulsschlag am Hals deutlich spüren.

Ist Glück also eine reine Herzensangelegenheit? Finnische Forscher wollten es genauer wissen. Also haben sie untersucht, in welchen Regionen des Körpers wir die verschiedensten Gefühle verorten. In der Studie sollten die Probanden auf Körpersilhouetten markieren, wo sie eine angesprochene Emotion ansiedeln. Liebe verspüren wir demnach wirklich in der Gegend, wo das Herz sitzt. Traurigkeit zieht sich bis in den Magen hinunter. Ekel fühlen wir im Mund, Neid eher im Kopf. Das Gefühl von Freude allerdings findet im ganzen Körper statt, die Testteilnehmer kreuzten zu diesem Stichwort nicht nur die Körpermitte an, sondern auch Arme und Beine. Fröhlichkeit geht also bis in Finger- und Zehenspitzen, breitet sich im ganzen Körper aus.

Aus biochemischer Sicht lässt sich dieses Ergebnis bestätigen. Wenn wir uns wohlfühlen, flutet unser Gehirn das Blutsystem mit lauter Wohlfühlhormonen wie Endorphinen, Oxytocin, Dopamin und Serotonin. Jetzt im Frühling verstärken  das zunehmende Sonnenlicht und die länger werdenden Tage die Produktion von Gute-Laune-Botenstoffen. Also raus an die frische Luft und ab ins Grüne, damit der körpereigene Chemiecocktail in Schwung kommt und das Herz höher schlägt. 

Unser Herz – ein kleines Kraftwerk

Etwa so groß wie eine Männerfaust und im Schnitt 300 Gramm schwer ist der lebenswichtigste Muskel unseres Körpers: das Herz. Der Hohlmuskel besteht aus zwei Herzhälften mit je einem Vorhof und einer Herzkammer. Das Herz erfüllt seine Pumpfunktion durch rhythmisches Zusammenziehen und Erschlaffen. Die Anspannungsphase wird als Systole, die Erschlaffungsphase als Diastole bezeichnet. Beim Anspannen wird das Blut in den Lungenkreislauf und den Körper gepumpt, beim Erschlaffen füllen sich die Herzkammern wieder mit Blut. Abweichungen und Unregelmäßigkeiten des Herzschlags bezeichnet man als Herzrhythmusstörungen. Das Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung, fast zwei Millionen Betroffene gibt es in Deutschland. Unbehandelt erhöht ein Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko.

Versorgt wird das Herz von den Herzarterien oder Herzkranzgefäßen. Sie zweigen als zwei große Blutgefäße aus der Hauptschlagader (Aorta) ab, spalten sich auf und überziehen den Herzmuskel als Netz von feinen Blutgefäßen. Ihre gute Durchblutung ist für eine normale Herzfunktion besonders wichtig. Sind die Herzkranzgefäße durch arterosklerotische Veränderungen verengt oder sogar verschlossen, kommt es zur Koronaren Herzkrankheit (KHK). Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt.

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