Knirschen im Knie?

Stechende Schmerzen und ein Knirschen im Knie – das sind die klassischen Symptome einer fortgeschrittenen Kniearthrose. Das Knie ist nicht nur eines der komplexesten Gelenke im menschlichen Körper. Es ist auch das, was am stärksten belastet wird.

Auf den Knien liegt das gesamte Körpergewicht, und sie werden jeden Tag aufs Neue beansprucht. Doch Gelenkverschleiß ist nicht nur eine Frage des Alters – auch viele junge Menschen haben bereits schmerzhaft damit zu kämpfen.

Unter Kniearthrose versteht man den vorzeitigen, krankhaften Verschleiß des Knorpels im Kniegelenk, der zu einem schmerzhaften Aufeinanderreiben der Gelenkflächen führt. Bis zu 30 Prozent der über 60-Jährigen leiden unter Arthrose. Die Kniearthrosegehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen, die im schlimmsten Fall die Implantation eines künstlichen Kniegelenks erfordert, um die Beweglichkeit zu erhalten. Doch so weit muss es nicht kommen, weiß Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie der Uniklinik RWTH Aachen.

Alltagshürde Fernsehsessel

Der Verlauf einer Arthrose kann bei jedem Patienten sehr unterschiedlich sein. Anfangs tritt in den meisten Fällen der sogenannte Anlaufschmerz auf. „Nach längeren Ruhezeiten können Patienten mit Kniearthrose beispielsweise nicht plötzlich agil aus dem Sessel springen“, sagt Prof. Tingart. „Sie müssen sich erst warmlaufen, das Bein strecken und dehnen, um sich schmerzfrei bewegen zu können.“

Weitere Symptome der Kniearthrose sind stechende Schmerzen bei normaler Belastung. Diese machen sich anfangs hauptsächlich beim Treppensteigen, Bergauf- und -abgehen und beim Tragen schwerer Lasten bemerkbar. „In einem fortgeschrittenen Stadium klagen Patienten auch über anhaltende Schmerzen, selbst in vollkommener Ruhestellung des Gelenks“, so der Orthopäde. Eine wiederkehrende

Schwellung, eine Knieverformung bis hin zu Reibegeräuschen beim Gehen sind ebenfalls typische Anzeichen für eine fortgeschrittene Kniearthrose – dann ist der Gang zum Arzt unvermeidlich. „Umso wichtiger ist es, rechtzeitig gegenzusteuern. Denn die Beschwerden bei Arthrose lassen sich oft behandeln oder zumindest abmildern“, betont Prof. Tingart.

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Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart

Klinik für Orthopädie und Europäisches Endoprothetik Zentrum Aachen

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Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart
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Viele Ursachen für Gelenkverschleiß

Der dämpfende Knieknorpel kann sich ganz ohne erkennbare Ursachen abbauen. Hier spielen auch erbliche Faktoren eine Rolle, sodass der natürliche Gelenkverschleiß mit Knorpelabbau bei dem einen mit 60 Jahren erst relevant wird und bei dem anderen bereits im Alter von 30 fortgeschritten sein kann. Meist aber setzen äußere Einflüsse wie Sportverletzungen, Unfälle, Überbelastungen, Vorerkrankungen, Fehlstellungen und entzündliche Gelenkerkrankungen dem Knie erheblich zu und können Gelenkschäden beschleunigen. „Häufig bleibt auch die Lebensweise nicht ohne Folgen für unsere Gelenke. Übliche Risikofaktoren sind Bewegungsmangel und Übergewicht auf der einen Seite, extreme Beanspruchung sowie übermäßige und falsche, oft einseitige Belastungen auf der anderen“, erklärt der Mediziner. Wer überflüssige Kilos abbaut und orthopädische Probleme rechtzeitig beheben lässt, trägt zur Entlastung seiner Gelenke bei.

Bewegung ist das A und O

So seltsam es anmutet – Bewegung steht ganz oben auf der Liste der Dinge, die den Knien guttun. Die Vorgabe lautet dabei immer: bewegen und stärken, ohne zu überlasten. „Wer seine Knie schont, beschleunigt den Knorpelabrieb nur“, so Prof. Tingart. Wohldosierter, gelenkfreundlicher Sport und gezielte Gymnastik sind vor allem in der Anfangsphase das Richtige. „Gleichförmige Bewegungen wie Fahrradfahren und Schwimmen eigenen sich besonders gut. Gerade  Bewegungsübungen im Wasser empfinden Patienten als besonders angenehm, denn dort sind sie vom Körpergewicht entlastet“, empfiehlt der Arthrosespezialist. „Selbst wenn eines Tages doch ein künstliches Kniegelenk implantiert werden muss, hängt das Operationsergebnis maßgeblich von der Stärke der Beinmuskulatur ab. Deshalb sollte die Muskulatur vorab so gut wie möglich trainiert werden.“

Sind alle konservativen und gelenkerhaltenden Behandlungen ausgeschöpft, so schafft die Klinik für Orthopädie mit ihrem zertifizierten Europäischen Endoprothetik Zentrum Aachen beste Voraussetzungen für eine umfassende Beratung und, falls notwendig, modernste Operationsverfahren durch erfahrene Operateure.

Foto: Uniklinik RWTH Aachen / © underdogstudios/fotolia.de