Kinder brauchen Liebe und Wertschätzung

Seit 2006 moderiert der zweifache Familienvater André Gatzke bei KiKA „Die Sendung mit dem Elefanten“, außerdem ist er Reporter für „Die Sendung mit der Maus“. Der gelernte Ergotherapeut ist ein gefragter Experte, wenn es um Kinder in Bewegung und Ernährung geht. Als Kind war er selbst ein Zappelphilipp und musste deshalb zur Ergotherapie.

Sie waren Hotelfachmann, Ergotherapeut und nun sind Sie Fernsehmoderator. Wie lautet Ihre Berufsbezeichnung?

André Gatzke: Ich finde ja, man bleibt, was man ist. Ich bin immer noch Hotelfachmann und Ergotherapeut. Und ich bin Moderator und Autor.

Was macht ein Ergotherapeut?

André Gatzke: Die Kinder kommen mit motorischen oder kognitiven Defiziten in die Praxis, etwa mit Konzentrationsschwierigkeiten. Durch die spielerische Beschäftigung mit dem Kind werden die Defizite beseitigt.

Gibt es ADHS oder ist das eine Modediagnose?

André Gatzke: Es gibt ADHS, allerdings ist das schwer zu diagnostizieren. Man muss auch bedenken: Heutzutage sollen die Kinder immer ruhiger werden und sich mehr konzentrieren, weil sie früh Englisch lernen, dann noch ein Musikinstrument. Sie können nicht mehr richtig Kind sein. Da fällt so etwas natürlich viel mehr auf. Ich zum Beispiel war früher auch bei der Ergotherapie, ich war ein sehr unruhiges Kind, da gab es aber noch nicht die Diagnose ADHS.

Wie sollen Kinder sich bewegen?

André Gatzke: Nicht wie sollen sie sich bewegen, sie sollen sich überhaupt bewegen! Oft werden Kinder um 7:30 Uhr in der Kita abgegeben und um 16:45 Uhr wieder abgeholt. Danach haben die Eltern nicht mehr viel Lust auf einen Waldspaziergang, auch wenn es allen gut täte. Hinzu kommt die neue Technik: Kinder spielen mit Handys, gucken mehr TV als früher, sind im Internet. Bewegung ist aber superwichtig! Kinder sollen sich bewegen, dann können sie sich auch besser konzentrieren.

Also spazieren gehen?

André Gatzke: Wenn ich meine Kinder frage: „Wollen wir spazieren gehen?“ – dann stellen sich bei denen die Nackenhaare auf. Wenn man dagegen sagt: „Kommt, wir gucken mal, was unser Damm von gestern im Wald macht, da haben wir doch einen Stein in den Bach geworfen.“ Was ist da wohl los jetzt?

Wie schafft man es, dass Kinder Gemüse essen?  

André Gatzke: Auch hier gilt: Man verkauft es ihnen am besten gut. Man zeigt ihnen als Erwachsener, dass Gemüse schmeckt und dass man es selbst gern isst. Außerdem sollte es gut aussehen. Man kann der Gurke etwa ein Gesicht machen, dann schmeckt es gleich viel besser! 

Was ist das Wichtigste für Kinder?

André Gatzke: Dass Kinder geliebt werden! Das muss man ihnen auch sagen. Und auch, wenn sie etwas gut gemacht haben. Ein Beispiel: Papa muss zu Hause arbeiten und braucht Ruhe. Das Kind soll oben in seinem Zimmer spielen und macht das auch. Trotzdem sollte der Papa nach einer halben Stunde hochgehen und dem Kind sagen: „Das finde ich aber toll, dass du hier in Ruhe so schön alleine spielst! Das hilft mir gerade ungemein!“ Das ist wichtig. Das ist Wertschätzung.

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