Die richtige Diagnose

Kinderurologie ist ein wichtiges Medizingebiet – Fehlbildungen kommen sehr häufig vor

Mia geht es wie so manchen kleinen Mädchen in ihrem Alter: Sie ist zwar erst sieben Jahre, doch wegen ständiger Blasenprobleme musste sie schon 15 Mal Antibiotika einnehmen. Aber nun ist Schluss damit! Denn in der Kindersprechstunde der Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen kam Kinderurologin Prof. Dr. Dorothea Rohrmann der vermeintlichen Anfälligkeit für Blasenentzündungen schnell auf die Spur. „Viele junge Mädchen klagen über Brennen beim Wasserlassen, haben Bakterien im Urin.  Manchmal voreilig wird die Diagnose Blasenentzündung gestellt“, weiß sie.

Doch die wahren Ursachen liegen oft in der Anatomie kleiner Mädchen. „Nicht selten sind die Schamlippen ein wenig verwachsen, so bildet sich eine Tasche, in der sich Bakterien schnell vermehren können. Die Haut wird gereizt, das Brennen beim Wasserlassen ist die Folge“, erklärt Prof. Rohrmann. Auch bei Mia ist das so, ihre Blase selbst ist völlig gesund. Statt Blasenspiegelung und Antibiotika bekommt sie nun Sitzbäder und muss durch eine gerade Haltung beim Toilettengang darauf achten, dass kein Urin in die Scheide läuft.

Spezialistin mit 30 Jahren Berufserfahrung

Der Fall zeigt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Und in der Urologie kann man Krankheitsbilder Erwachsener nicht einfach auf Kinder übertragen. Umso erfreulicher ist es, dass mit Prof. Rohrmann eine sehr erfahrene und speziell zertifizierte Ärztin die kleinen Patienten behandelt und betreut. Seit 30 Jahren arbeitet sie bereits als Kinderurologin, ließ sich gezielt in Amerika – wo die Kinderurologie ein eigener Fachbereich ist – ausbilden.

Urologische Erkrankungen und Fehlbildungen sind bei Kindern gar nicht selten, bei Neugeborenen sogar die zweithäufigste Störung nach Herzfehlern. Eines der großen Gebiete der Kinderurologie ist das der Blasenentleerungsstörungen und Einnässprobleme. In der sogenannten Enuresis-Sprechstunde werden Kinder behandelt, die tagsüber oder nachts regelmäßig in die Hose machen. „Problematisch wird dies bei Kindern über fünf Jahren“, sagt Prof. Rohrmann. „Das Thema ist für die betroffenen Kinder und ihre Eltern oft schwierig, dabei sind viele davon betroffen. Bei Fünfjährigen sind es 15 Prozent, bei Siebenjährigen noch zehn Prozent.“ Selbst im Jugendalter macht statistisch einer von hundert Jugendlichen regelmäßig ins Bett. „Mit Behandlungen mittels Biofeedback und funktionellen Therapien kann man diese Störungen allerdings gut wegtrainieren“, erklärt die Expertin.

Generell gilt in der Kinderurologie, erst einmal abzuwarten. Viele Erkrankungen haben gute Chancen zu maturieren, also sich auszuwachsen. Dies gilt besonders im Bereich der Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege. Eines von hundert Neugeborenen ist von solch einer Fehlbildung betroffen. 90 Prozent dieser Störungen verschwinden allerdings mit dem Heranwachsen. „Daher ist unsere erste Aufgabe, die Kinder zu überwachen und zu kontrollieren“, sagt Rohrmann. Und selbst, wenn etwas unternommen werden muss, ist es in den wenigsten Fällen eine Operation. Von den über 2.000 jungen Patientinnen und Patienten pro Jahr behandelt das Team um Dorothea Rohrmann rund Dreiviertel konservativ. Erst wenn es wirklich nötig ist, wird operiert. Hierbei den richtigen Zeitpunkt zu wählen ist wichtig. So müssen zum Beispiel Jungen mit Hodenhochstand rechtzeitig vor dem zweiten Lebensjahr behandelt werden, damit sie später nicht unfruchtbar werden.

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Klinik für Urologie

Leiterin Sektion Kinderurologie
Prof. Dr. med. Dorothea Rohrmann
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Telefon: 0241 80-89737
Fax: 0241 80-82057
drohrmann@ukaachen.de
www.urologie.ukaachen.de

Große Eingriffe gehören zum Alltag

Auch große Eingriffe gehören zum Alltag der Kinderurologen. Beim offenen Rücken, der Spina bifida, ist die Funktionsfähigkeit von Blase und Enddarm häufig gestört. Nach rekonstruktiven Operationen sind die betroffenen Kinder in der Lage, ihren Urin zu kontrollieren. 300 solch großer Operationen hat Prof. Rohrmann an der Uniklinik RWTH Aachen schon vorgenommen und damit Kindern, die im Rollstuhl sitzen, geholfen, selbstständig und kontrolliert ihre Blase entleeren zu können – ein Zustand, den Gesunde als selbstverständlich ansehen, der aber für Betroffene eine unschätzbar wertvolle Steigerung der Lebensqualität bedeutet.

Foto: Uniklinik RWTH Aachen